
Eigentlich selbstverständlich, die Akquise von neuen Projekten steht an erster Stelle. Wenn noch kein Anschlussprojekt in der Warteschlange steht, bleibt Akquise die wichtigste Aufgabe. Selbst dann, wenn die Zwischenzeit bewusst als Pause geplant ist. Denn leider bedeutet projektfreie Zeit für Freelancer normalerweise einkommensfreie Zeit. Auch wer gut vorgesorgt hat und seine Finanzen detailliert überblickt, muss auf lange oder kurze Sicht auf die Suche nach einem neuen Projekt gehen.
Akquise stellt eine der größten Herausforderungen für Freelancer dar. Unter anderem weil während der Projektarbeit oft wenig Zeit bleibt zusätzliche Akquise-Arbeit zu leisten. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man sich von Projekt zu Projekt hangelt. Wenn das so ist, muss man häufiger und kurzfristiger Anschlussprojekte finden. Das kann einem das Leben als Freelancer erschweren und einem das Gefühl geben, dass man jedes Projekt annehmen muss. Langfristig arbeitet man so aber häufig unter starker Belastung, manchmal in mehreren Projekten gleichzeitig. An dieser Stelle ist die Zeit zwischen Projekten besonders wertvoll, nicht nur um zu regenerieren. Sondern auch, um an einer Strategie zu arbeiten, welche die Freiberuflichkeit nachhaltiger macht. Ein wichtiger Teil davon ist es, sich nicht unter Wert zu verkaufen und wenn möglich Stundensätze von Projekt zu Projekt zu erhöhen. Dazu muss man sich ein stabiles Netzwerk aufbauen und guten Kontakt zu seinen Kunden pflegen.
Wenn zwischen Projekten etwas Zeit ist, kannst du diese nach der aktiven Projektsuche auch für formlosere Akquise nutzen. Beispielsweise indem du wieder Kontakt zu Kunden aufnimmst, bei denen du schon erfolgreich Projekte abgeschlossen hast. Diese bergen ein hohes Potential für zukünftige Projekte, da man mit Infrastruktur und Abläufen im Unternehmen schon bekannt ist. Es entstehen für beide Seiten weniger organisatorische Arbeit und auch das Onboarding geht leichter. Außerdem merkst du bei diesem Rückblick, welche Projekte mit welchen Kunden und in welcher Branche dir die meiste Freude bereitet haben. Mit diesem Wissen in petto kannst du gezielt auf die Suche nach ähnlichen neuen Projekten für dich gehen; sowie dein Portfolio so überarbeiten, dass deine Erfahrung in dem Bereich deutlich sichtbar ist.
Auch formlose Akquise über befreundete Freelancer oder dein erweitertes beruflichen Netzwerk ist erfolgsversprechend. Nimm wieder Kontakt auf, ohne etwas einzufordern oder zu hohe Erwartungen zu haben. Aus solchen Interaktionen können sich in der Zukunft wertvolle Kooperationen ergeben. Oder jemand leitet dir ein Projekt weiter, für welche die Person selbst grade keine Kapazitäten hat. Vielleicht hast du ja auch Lust bei einem privaten (Software-)Projekt von Kollegen oder befreundeten Freelancern einzusteigen. Dabei hältst du deine Fähigkeiten in Schuss, lernst noch was dazu und kannst im besten Fall deine Reichweite stärken.
Außerdem können deine Kollegen dich vielleicht inspirieren! Was findest du an deinen Mitbewerbern und ihrem Auftritt besonders gut? Lässt sich das auch auf dich anwenden? Wenn ja, kannst du daraus einen Nutzen ziehen, wenn du deine Website auf den neusten Stand bringst.
Wer während der Projektlaufzeit für nichts anderes mehr Zeit finden kann, sollte in der projektfreien Zeit seine Profile auf den neusten Stand bringen. Egal ob auf Plattformen, die Projekte anbieten, oder in sozialen und beruflichen Netzwerken. Der Online-Auftritt ist ein wichtiges Akquise-Tool. Wer es sogar schafft trotz Projektauslastung am Ball zu bleiben kann die Zeit, die man mit Projektsuche verbringen muss, deutlich verkürzen. Besonders durch sinnvolle Beiträge kann man bei potenziellen Arbeitgebern ohne großen Aufwand in Erinnerung bleiben. Wer besonders gut organisiert ist, kann auch die projektfreie Zeit nutzen, um für die nächste Projektphase Social-Media-Posts vorzubereiten. Diese können automatisiert veröffentlicht werden und können einem helfen sein Profil als Experte zu schärfen. Wer in der Vergangenheit Blog Posts geschrieben hat, kann diese in Schnipsel für Social-Media verwandeln. Oder man nutzt die ruhige Phase, um neue Inhalte zu erstellen, die man dann als Happen auf seinen Accounts einspielen kann. Damit qualifiziert man sich Ansprechpartner vor, bei denen später weniger Akquise-Arbeit geleistet werden muss.
Lebenslauf und Website auffrischen
Dein letztes Projekt hat dir bestimmt einige neue Erfahrungen beschert, ob in einer neuen Branche, mit einem neuen Tool oder ähnlichem. Wie bei deinem Online-Auftritt in Netzwerken gilt es auch diese neuen Informationen und alles andere was sich in der Zwischenzeit geändert hat in deinen Lebenslauf einzutragen oder dein Portfolio auf deiner Website aufzufrischen. Wenn deine Aushängeschilder auf dem neusten Stand sind, wirken sie auch umso anziehender für Kunden. Wenn du deine Website überarbeitest, darfst du folgendes nicht vergessen: Deine Art zu kommunizieren sollte auf den Kunden ausgerichtet sein. Wer seine Kunden und deren Probleme versteht oder ihnen zumindest das Gefühl vermittelt dies zu tun, dem fällt es leichter Kundenbindung aufzubauen. Gleiches gilt auch dafür die Kontaktmöglichkeiten so einfach wie möglich zu gestalten. Je leichter Kunden dich kontaktieren können, desto eher tun sie es.
Aber nicht nur für Kunden sollte man die Abläufe so angenehm wie möglich gestalten. Wenn alle Akquise-Schritte gegangen sind oder schon klar ist, wann das nächste Projekt anfängt, kann man die freie Zeit auch nutzen, um die eigenen Geschäftsprozesse zu überarbeiten und effizienter zu machen. An welchen Stellen kann man sich besser organisieren? Beispielsweise indem man Listen erstellt, damit nichts vergessen geht? Das können interne Checklisten sein oder Flow-Charts, die einen daran erinnern was wann wie und in welcher Reihenfolge abgearbeitet werden muss. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt und anpassbar an deine persönlichen Anforderungen. Wer sich in Kundengesprächen gerne einen Leitfaden mitnimmt kann eine Vorlage erstellen, die dann nur noch angepasst werden muss und im besten Fall alle wichtigen Fragen enthält, die für ein neues Projekt oder einem Neukunden stellen muss. So gehen keine Details unter. Wenn du das nicht schon längst tust, biete es sich auch an diverse (Excel-)Listen zu führen; wie zum Beispiel über alle Fragen, die du bei der Kundenqualifizierung schon mal vergessen hast zu stellen; über deine Kunden; deren Branchen; Phasen, in denen du Hochs- und Tiefs verzeichnest, und so weiter. Je mehr Wissen du über deine Auslastung und deine Kunden sammelst, desto besser. Daraus lassen sich Tendenzen ableiten, die dir beispielsweise zeigen zu welchen Zeiten du mehr in Akquise investieren musst. Bestenfalls lassen sich deine Erkenntnisse auch dafür einsetzen dich und deine Leistung besser zu vermarkten.
Wer kein Projekt Management Tool nutzt, um sich selbst zu organisieren, kann sich aus der Vielfalt der kostenlos verfügbaren Optionen eins aussuchen. So wird es leichter den Überblick über alles zu behalten, was noch so ansteht und die Menge an notwendiger mentaler Arbeit reduziert. Es lohnt sich auch über dieses Tool festzuhalten, wie viel Zeit du in einzelnen Aufgaben investierst und wie viel deiner investierten Zeit einkommen generiert. Auch da wird wahrscheinlich relativ schnell ersichtlich, wo noch Verbesserungspotential steckt. Langfristig sollte der Einsatz, den du in projektfreien Zeiten zeigst, dazu führen, dass du weniger Zeit in Büroarbeit investieren musst. Damit kannst du mehr Zeit für Weiterbildung und in bezahlte Arbeit investieren oder einfach mehr Freizeit herausschlagen.
Wenn du dich schon bestens organisiert hast oder aktuell keinen Bedarf daran siehst, hast du vielleicht in dieser Phase endlich Zeit ein (privates) Projekt oder viele kleine Aufgaben anzugehen, die auf die lange Bank geschoben wurden. Lass dich darauf ein sie abzuarbeiten, es wird sich am Ende gut anfühlen, die Aufgaben abzuhaken. Selbst wenn diese nur entfernt mit deiner Selbstständigkeit zu tun haben. Es wird möglicherweise lange dauern, bis du wieder Zeit hast sie zu erledigen.
Fortbildungen
Wenn die offensichtlichen Akquise Schritte abgearbeitet sind, ist es sinnvoll Zeit in Weiterbildung zu investieren. Wenn man die freie Zeit nutzen möchte, um sein Fachwissen oder Entwicklerfertigkeiten auszubauen sind Online-Kurse wie von beispielsweise Udemy oder Courcera dafür eine gute Anlaufstelle. Diese haben normalerweise den Vorteil, dass die Zeiteinteilung einem selbst überlassen ist. Wer eher zu den Autodidakten zählt, kann die Zeit nutzen, um sich selbst über relevante Neuentwicklungen zu informieren.
Weiterbildung lohnt sich auch auf der unternehmerischen Seite der freiberuflichen Tätigkeit. Vielversprechend kann zum Beispiel ein Vertriebs-Crash-Kurs oder ein Lehrgang zum Thema Zeitmanagement sein. An welchen Stellen siehst du besondere Herausforderungen bei deiner freiberuflichen Tätigkeit? Dort kannst du für die Weiterbildung ansetzen.
Wer während guten Phasen Geld beiseitelegen kann, dem machen kurze Flauten weniger zu schaffen. Empfehlenswert ist es sich einen Puffer anzulegen, der einen bis zu drei Monate absichert. Wer gut vorsorgt kann sich bei der Suche nach Projekten mehr Zeit lassen, und hat so mehr Möglichkeiten Projekte zu finden und auszusuchen, die den eigenen Fähigkeiten und Interessen entsprechen.
Wer genau weiß, wann seine Kunden keine Projekte planen, kann auch bewusst freie Zeit einplanen oder Urlaub in diese Phase legen. Aber auch wer die Pausenplanung nicht bewusst beeinflussen kann sollte sich zwischen Projekten Erholungspausen erlauben. Und das nicht erst, wenn alles andere getan ist. Auch als Freelancer sind die Ressourcen nicht unendlich. Natürlich fällt es leichter sich zu entspannen, wenn das Anschlussprojekt schon auf einen wartet. Das muss aber nicht die Grundvoraussetzung für Urlaub sein. Wer selbstständig ist arbeitet häufig mehr und länger als Angestellte und trägt mehr Verantwortung. Pause sind also wohlverdient und sollten auch genommen werden.
Auch in der projektfreien Zeit wird es also nicht langweilig und wahrscheinlich ist sie schneller wieder vorbei als dir im Nachhinein lieb ist.
Quellen
https://www.bridging-the-gap.com/in-between-projects/
https://dev.to/eth2234/how-do-you-manage-your-time-between-projects-2466
https://memory.ai/timely-blog/a-freelancers-guide-to-managing-multiple-projects
30.06.2021

